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Krankenhausaufnahmen nach Cannabiskonsum steigen leicht
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus Deutschland zeigt einen moderaten Anstieg von Krankenhausaufnahmen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum. Die Forscher sehen dabei nicht nur die Teillegalisierung als möglichen Einflussfaktor, sondern verweisen insbesondere auf den zunehmenden Konsum hochpotenter Medizinalcannabis-Blüten. Die Ergebnisse sorgen derzeit für intensive Diskussionen in Politik, Medizin und der Cannabisbranche.
Was untersucht wurde
Für die Studie werteten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und des Universitätsklinikums Leipzig mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen aus. Verglichen wurden Daten aus der Zeit vor und nach der Einführung des Cannabisgesetzes im April 2024.
Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres wurden rund sieben Prozent mehr Erwachsene wegen cannabisbezogener Erkrankungen oder akuter Vergiftungen stationär behandelt als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Bei Jugendlichen lag der Anstieg bei knapp vier Prozent. Die Autoren betonen allerdings, dass sich die Zunahme insgesamt im einstelligen Prozentbereich bewegt und deshalb als moderat einzustufen ist.
Hochpotentes Medizinalcannabis im Fokus
Die Forscher halten es für wahrscheinlicher, dass der Anstieg nicht allein auf die Teillegalisierung zurückzuführen ist. Stattdessen rückt insbesondere hochpotentes Medizinalcannabis in den Mittelpunkt der Analyse.
Seit Cannabis nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, ist die ärztliche Verschreibung deutlich einfacher geworden. Gleichzeitig stiegen die Importe von medizinischem Cannabis erheblich an. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass verschriebene Cannabisblüten durchschnittlich einen THC-Gehalt von rund 24 Prozent besitzen, während Cannabis vom Schwarzmarkt im Durchschnitt bei etwa 15 Prozent liegt. Ein höherer THC-Gehalt kann das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen und psychische Probleme erhöhen.
Experten mahnen zur differenzierten Betrachtung
Nicht alle Fachleute sehen die Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Legalisierung grundsätzlich gescheitert sei. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass mehrere Faktoren die Zahlen beeinflussen könnten.
So könnten Ärztinnen und Ärzte heute häufiger gezielt nach Cannabiskonsum fragen als noch vor einigen Jahren. Zudem suchen Betroffene möglicherweise schneller medizinische Hilfe, weil der Konsum inzwischen weniger stigmatisiert ist. Auch eine insgesamt bessere Dokumentation könnte zu höheren Fallzahlen beitragen. Dennoch halten die Wissenschaftler den beobachteten Anstieg für erklärungsbedürftig.
Auswirkungen auf die Politik
Die Ergebnisse treffen auf eine ohnehin laufende Debatte über den zukünftigen Umgang mit Medizinalcannabis. Bereits seit Anfang des Jahres wird über strengere Regelungen diskutiert. Im Mittelpunkt stehen unter anderem persönliche Arztkontakte vor einer Erstverschreibung sowie Einschränkungen bei rein telemedizinischen Verordnungen und dem Versand von Cannabisblüten. Befürworter sehen darin einen besseren Schutz vor Missbrauch, während Kritiker befürchten, dass dadurch insbesondere chronisch kranke Patienten schlechter versorgt werden könnten.
Was bedeutet das für Cannabis-Konsumenten?
Die Studie zeigt vor allem, dass Cannabis trotz seiner Teillegalisierung keine harmlose Substanz ist. Besonders Produkte mit einem hohen THC-Gehalt können das Risiko für akute Nebenwirkungen oder psychische Beschwerden erhöhen – vor allem bei unerfahrenen Konsumenten oder Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen.
Gleichzeitig lässt sich aus den aktuellen Daten nicht ableiten, dass die Teillegalisierung allein für den Anstieg verantwortlich ist. Die Autoren betonen selbst, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die tatsächlichen Ursachen besser zu verstehen.
Grow Zeche Meinung
Die neue Studie liefert wichtige Hinweise, sollte jedoch differenziert betrachtet werden. Ein moderater Anstieg von Krankenhausaufnahmen bedeutet nicht automatisch, dass das Cannabisgesetz gescheitert ist. Vielmehr zeigt sich, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Cannabis – insbesondere mit hochpotenten Blüten – weiterhin eine zentrale Rolle spielt.
Für Patienten, Freizeitkonsumenten und politische Entscheidungsträger bleibt die Herausforderung bestehen, den Zugang zu Cannabis sinnvoll zu regulieren und gleichzeitig Gesundheitsrisiken möglichst gering zu halten. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die geplanten Änderungen beim Medizinalcannabis tatsächlich umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf Patienten und den legalen Markt haben werden.
Quellen: Tagesschau, Deutschlandfunk, NDR, dpa/WELT sowie die Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Universitätsklinikums Leipzig, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt International.